Stabhalterei Leimen

aus dem Narrenheft zum Oberrheinischen Narrentag am 21./22. Januar 1961

Der Leimen

Die Uranfänge des Leimen gehen zurück auf die diluviale Eiszeit. Das war vor rund 500.000 Jahren. Damals entstand durch die schleifenden und abreißenden Kräfte der Gletscher in unserer Gegend staubfeine Erde, die durch gewaltige Winde zu mächtigen Ablagerungen längs der Gebirgsränder des Schwarzwaldes aufgeweht wurden. Diese feine Erde wurde von je “Lehm” oder in unserer Hochsprache “Leimen” genannt und bildete von Anbeginn des geologischen Zeitalters an die Grundlage für höherer Vegetation.

Kein Wunder, daß die ersten Menschen sich auf diesen Leimenhängen userer engeren Heimat ansiedelten, wo schon in der Urzeit alle besseren Pflanzen gediehen. Den “Leimen” als Grundlage des Lebens verehrten sie als heilig.

Jahrhunderttausendelang waren die “Leimener”, wie sich die Menschen auf Grund ihres Mutterbodens selbst nannten, die einzigen Siedler am Eingang des Renchtals. Sie waren auch bei den jährlichen Sitzungen im Vorfrühling, die bei allerlei Mummenschanz in einer hallenartigen Leimenhöhle zur Abwehr böser Geister abgehalten wurde und bei der ein Sippenältester als Anführer im Kampf gegen die genannten bösen und armen Geister mit einem Eichenknorren als Waffe ausgezeichnet wurde, noch ganz unter sich. Freilich ist dieser Eichenknorren nur symbolisch mit dem Zepter des heutigen Stabhalters zu vergleichen, insofern die bei Grabarbeiten der Firma Rendler gefundenen Eichenknorren ausnahmslos so viel wogen, daß sie von einem Stabhalter der Jetztzeit kaum geschwungen werden könnten.

Auch waren die Sitten bei diesen Sitzungen, wie aus Höhlenzeichnungen hervorgeht, etwas rauer als heute, da man sich damals mit Mammutknochen anstatt mit Worten bewarf.

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